Geschichte

Geschichte des Jagdreviers Lány

Das Jagdrevier Lány wird schon seit frühem Mittelalter erwähnt. Die tschechischen Herrscher haben hier Hirsch- und Schwarzwildhetzjagden veranstaltet. Die historischen Berichte vom 9. Jahrhundert erwähnen Streit um die Jagdgründe in den Wäldern von Křivoklát und Lány zwischen dem Geschlecht von Vršovci und den Přemyslidenfürsten. Weitere Berichte stammen vom Beginn des 11. Jahrhunderts; damals jagte hier der Přemyslidenfürst Jaromír. Im Jahre 1100 folgten Břetislav II., Ende des 12. Jahrhunderts Přemysl Ottokar I., in der Hälfte des 13. Jahrhunderts der König Wenzel I. und im 14. Jahrhundert der König Wenzel IV

Im Jahre 1392 wird die Entstehung der Gemeinde Lány und Gründung des Edelmannsitzes erwähnt; die Besitzer waren Pavel aus Kladno und Hašek aus Lány, beide Edelleute aus dem Geschlecht von Kladenský aus Kladno. Im Jahre 1587 kaufte der Kaiser Rudolf II. die Feste Lány, dadurch wurde das Gut es zu einem Teil von Gutsbesitz Křivoklát und blieb bis 1658 in direkter Nutzung der Tschechischen Herrscher. Der Kaiser Rudolf II. ließ in Lány ein kleines Jagdschloss bauen; dessen Grundrisse sind bis heute völlig in dem bestehenden Schlossgebäude erhalten.

Nach 1685 verkaufte der Kaiser Leopold I. den Gutsbesitz Křivoklát an den Grafen Arnošt Josef von Wallenstein, und hat dadurch die Anordnung des Kaisers Karl IV. aus dem Jahre 1348, dass der Gutsbesitz Křivoklát von der Tschechischen Krone nicht getrennt werden darf, verletzt. Durch den Kaufvertrag vom 6.6.1685 haben die Wallensteins die Verpflichtung übernommen, das Hochwild im Křivoklátbesitz nach Kräften zu schützen, um Jagden für die Mitglieder der Kaiserfamilie auf Wunsch des Kaisers veranstalten zu können.

Wegen organisierter sowie unorganisierter Wilderei wurde 1713 ein Gatterzaun gebaut. So entstand ein umfangreiches Wildgehege mit der Fläche von 9600 ha, mit etwa 47 km langer hölzernen Umzäunung. Der ganze Křivoklátbesitz überging später im Jahre 1731 als Erbschaft an die Fürsten von Fürstenberk.

Das ursprüngliche Administrativgebäude aus der Ära der Fürstenberks (vor 1932)

Im Jahre 1816 hat Jáchym von Fürstenberk das Gehege vom 1713 abgeschafft und statt dessen wurden auf dem Gebiet zwei kleinere Wildgehege errichtet – Lánská obora, mit einer Fläche über 3000 ha, für Hochwild, und Řevničovská – für Schwarzwild. Das Wildgehege Řevničovská obora ist später verfallen.

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass die hölzernen Umzäunungen für den Zweck nicht dauerhaft geeignet sind, weil Menschen, die in das Gehege hineinkommen wollten, beschädigten sie, und Wilderer lauerten nach dem Wild an den Durchbruchstellen. Stellenweise war die Umzäunung im schlechten Zustand und das Wild flüchtete in die benachbarten Felder um zu weiden. Es war notwendig diese Probleme zu beseitigen, deshalb haben die Fürstenberks im Jahre 1787 mit dem Bau einer massiven steinern Mauer an der Nordgrenze angefangen, die von Pustá Dobrá bis Lužná reichte (etwa. 27 km). Der Bau dauerte 10 Jahre.

Tor in das Gehege Lanská obora (1727-1959).

Am 21. 7. 1921 kaufte die Tschechoslowakische Republik von den Fürstenberks das Schloss Lány, den Hof Lány, das Vorwerk Ploskov und die Jagdreviere Lány, Ploskov und Běleč für etwa 25 Millionen Kronen. Das Schloss wurde zum vorübergehenden Sitz und Sommersitz der Präsidenten der Republik durch den Beschluss der Nationalversammlung der ČSR erklärt.

Das Schloss wurde zu diesem Zweck durch mehrere Aspekte bestimmt: es ist repräsentativ und gleichzeitig ist die Inneneinrichtung zweckmäßig und einfach, es befindet sich in der Nähe von Prag, mit geeigneter Eisenbahn- und Straßenverbindung mit der Hauptstadt – vor allem aber waren es die herrliche Umgebung der Wälder von Křivoklát und die enge Nachbarschaft des berühmten Geheges Lánská obora, die seit jeher dem Repräsentationsjagdwesen der obersten Kreise diente.

Der Masaryk Stein wurde in das Gehege bei der Gelegenheit des 85. Geburtstags von TGM am 7.3.1935 gebracht.

Der Vorschlag das Schloss Lány zu kaufen kam von dem Kanzler JUDr. Přemysl Šámal. Er war ein begeisterter Jäger und wusste genau, welche Bedeutung eine herzliche und zwanglose Umgebung der gesellschaftlichen Jagd für politische Verhandlungen hat und wie einfach viele schwierige diplomatische Fragen in der freundschaftlichen weidmännischen Atmosphäre gelöst werden können. Das beweisen zahlreiche weidmännische Veranstaltungen im Gehege Lánská obora und die Eintragungen darüber in den Gedenkbüchern der Forstverwaltung Lány. Zu den Treibjagden und Jagden für Niederwild wurden in der Regel ausländische Botschafter, Ministerialräte sowie Generalität der tschechoslowakischen Armee eingeladen. Eine der wichtigsten weidmännischen Veranstaltungen war die sogenannte rumänische Königliche Jagd - die Treibjagd wurde für Seine Majestät, den König Carol II. und den Kronprinzen Michal (1936) veranstaltet.

Forstpersonal – Balz 1928

In dem Wildgehege haben jedoch auch bedeutende politische Veranstaltungen von „nichtweidmännischem" Charakter stattgefunden. Man kann zweifellos die Verhandlungen über die Kleine Entente (militärisch-politische Allianz von Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien) im Jahre 1925 bei der sogenannten Abkommeneiche dazu rechnen. Damals handelte es sich vor allem um den Vertrag über die Möglichkeit von Armeen- und Militärtechnikverschiebungen über die Gebiete der beteiligten Parteien. Als Andenken an diesen Akt ließ die Forstverwaltung im Jahre 2007 an der Ferse der Abkommeneiche einen kleinen Obelisken errichten.

Gebäude der Forstverwaltung im Jahre 1941

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Wildgehege Lánská obora dem Zeitvertreib und Ausfahrten der bedeutenden Vertreter des nazistischen Deutschlands. Trotz der Tatsache, dass Lány wortwörtlich „unter der Nase" waren, unterstützten einige Mitarbeiter der Forstverwaltung verstecke Partisanengruppen in den Wäldern. Ein weiterer Beweis der Resistenz gegen die nazistische Gesellschaftsordnung war die Rettung und Verwahrung des amerikanischen Piloten des Bombenflugzeugs B-17, der einen Unfall unweit von Sýkořice hatte. Die Gedenkbücher der Forstverwaltung Lány waren während des ganzen Zweiten Weltkriegs hindurch versteckt und keine einzige Eintragung ist während der Zeit gemacht worden.

Administrativgebäude der Forstverwaltung Lány, gebaut in den Jahren 1931-1932

In den Jahren 1948 bis 1989 kamen die weidmännischen Gäste meistens aus der Sowjetunion, Ungaren, Bulgarien und auch Botschafter aus der DDR, Mongolei, Argentiniens, Indonesien, China, Nordkorea, Kuba, Ghana, Mali, Libanon, Tunesien, Türkei, Indien, Schweiz, Frankreich, Italien, Kanada, Niederlanden, Syrien, Polen usw.

Nach 1990 hat sich der Anteil der Gebürenjagden von Trophäenwild erhöht, aber die Forstverwaltung Lány dient weiterhin vor allem der Repräsentation und der Erholung der Gäste der Kanzlei des Präsidenten der Republik. Beweis dafür ist z.B. der Summit von Präsidenten der Visegradgruppe im Jahre 2006, bei dem der Besuch von Wildgehege Lánská obora auch im Programm enthalten war.

Wildzuchtgeschichte

Der Hirsch (Rotwild) wird in Lánská obora schon seit Anfang gehegt. In der Jagdordnung vom 1817, herausgegeben von Jáchym Egon von Fürstenberk, wird die Zeit der Jagd in dem Gehege und den umliegenden Jagdrevieren, sowie die ersten Prinzipien von Selektionsabschuss festgelegt.

Fotografie vom Hirsch in Lánská obora in den 50 Jahren des 20. Jahrhunderts

Im Jahre 1736 wurde Damwild nach Lánská obora gebracht. Bald haben sie sich vermehrt und eingelebt. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in dem Gehege mehrere Hundert Stück. Im Ersten Weltkrieg sind die Stände von Rotwild und Damwild stark zurückgegangen, denn ein gezwungener Abschuss für Proviantbedürfnisse (besonders für militärische Krankenhäuser) wurde angeordnet. Das Wild bekam auch nicht genügende Menge von geeignetem Futter wie in den Friedenszeiten, und den schlechten Zustand haben die gelockerten Sitten der örtlichen Bevölkerung, nämlich die Wilderei, noch weiter verschlechtert. Das gesamte Weißdamwild wurde ausgerottet – der letzte weiße Damhirsch wurde von Prof. Julius Komárek im Jahre 1931 erlegt und dem Nationalmuseum gewidmet.

Im Jahre 1885 wurde ein Muffelwildpaar in das Gehege Lánská obora gebracht, sie haben sich jedoch nicht vermehrt, denn der Widder rannte gegen einen Baum und starb. Weiteres Muffelwild wurde 1922 aus Topolčianky, Žinkovy a Ždírec (3 Schafböcke und 4 Muffelschafe) gebracht. Bis 1928 vermehrten sie sich auf 60 bis 70 Stück, dann aber kam der grausame Winter 1928-29 und nur 10 Stücke überlebten. Später hat man weitere 3 Stück dazu gekauft und bis 1937 hat sich ihr Stand nochmals erhöht auf 80 Stück; in dieser Höhe wird er seitdem gehalten.

Im Jahre 1922 brachte man auch Sikawild - 1 Hirsch und 2 Hirschkühe. Sie waren ein Geschenk des Grafen Coudenhove – Calergi; 1923 schenkte er nochmals 1 Hirsch und 1 Hirsch und Hirschkuh vom Großgrundbesitz in Holešov hat man noch zugekauft. Durch Hegen der Sikahirsche erreichte deren Stand im 1937 die Anzahl von 36 Stück.

Die ersten Stücke von Dybowskihirsch byly wurden in Winter 1961-1962 aus der Sowjetunion (2 Hirschkühe, 2 Rehlinge und 2 Hirsche) gebracht; das Wild hat sich sehr gut akklimatisiert und der Stand hat sich während einiger Jahre auf etwa 60 Stück erhöht.

Schwarzwild wurde in Řevničovská obora gehalten (seit 1816) und am Anfang des 20. Jahrhundert hat man noch Schwarzwild aus Karpaty zugeführt.

Die Fasanenjagd in Lány wird zum ersten Mal 1858 erwähnt. Im Jahre 1899 begann man mit dem Fasanenaufzug und deren Freilassung, zuerst am Ende des Schlossparks und später im Areal der heutigen Fasanerie Amálie; ihre heutige Form bekam sie zu der Zeit des Präsidenten T.G. Masaryk, vor dem Besuch des rumänischen König Carol II.

Raubwild in Lány wurde gedämmt. Der letztere Bär wurde im Jahre 1692 auf dem Gebiet von Lánská obora unter dem Langem Kamm erlegt. Die letztere Wildkatze in Lánská obora wurde 1780 erschossen.

Quelle: Bilder aus der Geschichte von Lánská obora (Obrázky z dějin Lánské obory) – Alois Nechleba, Gedenkbuch der Forstverwaltung Lány LS Lány 1937 – 1959, Archiv von Václav Vodvářka, Archiv von Robin Ambrož.